Anti-Drogentag: Polizei-Kommissar belügt Schüler und erzählt Schauermärchen

Nur weil mal zufällig ein Journalist dabei war, wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was für Unwahrheiten und Schauergeschichten an einem „Antidrogentag“ in der Schule durch einen Polizei-Kommissar verbreitet werden.

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Polizei bei Schulbesuch zur Drogen-Aufklärung (Symbolfoto)

So beginnt L.* beim Thema Cannabis mit der einleitenden Frage an die Kids, ob sie denn wüssten, um „wie viel mal giftiger ein Joint als eine Zigarette ist?“ und reicht als Antwort „30 mal!“ hinterher. Denn der Wirkstoff THC wäre ein „Nervengift“, das sich in „ Leber, Nieren und Gehirn“ anreichere, weshalb „Kiffer einfach blöder“ sind.

Abgesehen davon, dass Alkohol eines der stärksten Nervengifte und Nikotin eines der stärksten Gefäßgifte ist, das die Menschheit kennt, handelt es sich bei THC nicht um ein toxisches Nervengift – es ist im Gegensatz zu den Erstgenannten von nichttödlicher Natur! Da außerdem Cannabis auch ohne Tabak und krebserregende Stoffe konsumiert werden kann (Stichwort Vaporizer oder oraler Konsum), ist die Behauptung der 30-fachen Schädlichkeit eines Joints im Vergleich zur Zigarette sowohl in der Sache falsch als auch thematisch isoliert dargestellt. Zudem reichert sich THC auch nicht im Körper an, sondern lediglich dessen Abbauprodukte. Da es also kaum noch uninformierter geht, stellt sich doch die Frage, wer hier denn wirklich mit Blödheit gesegnet ist.

Als nächstes holt er aus zum Rundumschlag gegen Ecstasy, auf denen statt „lustige Smileys eigentlich ein Totenkopf“ aufgedruckt gehöre. Zwar könne man damit 2 Stunden durchtanzen, doch sei man die nächsten 7 Tage nicht mehr fähig, sich „über eine Eins in Mathe oder ein Haustier zu freuen“. Außerdem „liefen XTC-Konsumenten deprimiert herum“, wodurch die Selbstmordgefahr ansteige. Kein Wort davon, dass dies maximal auf einen kleinen Kreis chronischer Konsumenten zutrifft; dass von einmaligem Konsum niemand tagelang als depressiver, suizidgefährdeter Zombie durch die Gegend wankt. Sodann führt er die Legende vom Fliegen-Können ins Feld, wonach „manche denken, sie können [auf XTC] fliegen“ und hätten dies auch schon einmal an einem regional bekannten Ort versucht. Trotz ergiebiger Erfahrung ist mir kein einziger Fall bekannt, bei dem sich ein Ecstasy-Nutzer im Glauben  an die eigene Flugfähigkeit von einem Hochhaus stürzte – solche Schauermärchen sind mir nur vom Hörensagen starker Halluzinogene wie LSD oder Salvia bekannt. Mag sein, dass es dies in einem von tausenden Fällen gegeben hat – aber eine solche Regelmäßigkeit zu suggerieren, ist nichts als Panikmache und Verklärung der Wirklichkeit.

Grauenhaft allein die Vorstellung, wie oft unsere Kids hierzulande solchen Verklärungskampagnen an den Schulen unterliegen – wer mit einem solch falschen Wissen sozialisiert wird, dem droht später ein Teil der Repressionspolitik zu werden; sei es als aktive Hand oder als hinnehmende Öffentlichkeit.

Anti-Drogentag = Drogentag?

Eine solche auf Angst basierende Drogenverklärung habe auch ich als junger Mensch erfahren – es endete jedes Mal mit dem gegenteiligen Effekt unmittelbaren Konsums. In der 6. Klasse war eine Drogenaufklärungstante bei uns in der Grundschule und sprach vor allem über Alkohol, Tabak und Cannabis. Dies hat mich so neugierig gemacht, dass ich noch am selben Tag meine erste Zigarette rauchte. Das gleiche 2 Jahre später mit Cannabis: auf dem Gymnasium war Antidrogentag – doch wir alle fühlten uns dadurch nur ermutigt, endlich mal zu Kiffen. Und so hat der halbe Jahrgang an diesem Tag zum ersten Mal Cannabis konsumiert. Solche Antidrogentage würde ich also aus eigener Erfahrung als sehr kontraproduktiv erachten – solange sich die Methoden hierbei nicht grundsätzlich ändern!

Aufklärung? Gerne! Prävention? Bitte! Angst statt Mündigkeit? Nein danke!

* Ich halte nichts davon, Klarnamen öffentlichkeitsferner Beteiligter zu nennen. Der Kommissar ist auch nur ein verblendetes Rädchen im System, da steckt ganz einfach milieubedingte Unwissenheit hinter.


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